WER YOGA ÜBT, ENTFERNT DAS UNKRAUT AUS DEM KÖRPER, SODASS DER GARTEN WACHSEN KANN

    “In Deutschland”, sagt Britta Hölzel, “hat Yoga, anders als in den USA, immer noch etwas Befremdliches.” Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin ist kürzlich aus Boston zurückgekehrt, um eine Stelle in der Charité am Institut für Medizinische Psychologie anzutreten. Sie sitzt in ihrem kahlen Zimmer, die Umzugskisten noch nicht ausgepackt, und erzählt mit sanfter Stimme von ihrer Welt zwischen Gehirnen, Kernspintomografen und den drei Säulen des Yoga: Atemtechnik ( Pranayama ), Körperübung ( Asana ) – und Meditation, Hölzels Spezialgebiet.


    Mehr als 2500 Jahre alt sind die Sanskrit-Schriften, die das Wort Yoga erstmals erwähnen – es bedeutet “Joch” und wird als “Vereinigung” gedeutet. Ursprünglich war die Lehre ein rein spiritueller Weg zur Erleuchtung, nur zu erreichen durch Meditation, der Königsdisziplin der Versenkung.Atemtechnik und Körperhaltungen dienten lediglich als Hilfsmittel auf dem Weg dorthin. Erst im Laufe der Zeit- so eine häufig zu hörende Version – erkannten Yogis, dass “Kerze”, “Kopfstand” und “Pflug” sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken können.

     

    In ihrer letzten, weithin beachteten Studie konnte Britta Hölzel zeigen, dass schon eine tägliche 30-minütige Yoga-Meditation innerhalb von nur acht Wochen eine deutliche Veränderung in den Gehirnen von extrem gestressten Männern und Frauen bewirkte. Den Teilnehmern ging es nach der Untersuchung nicht nur viel besser. Im Vergleich der Kernspin-Aufnahmen vor und nach den acht Wochen hatte in einigen Hirnregionen, zuständig für Gedächtnis, Lernen und Emotionskontrolle, auch die Dichte der grauen Zellen deutlich zugenommen.

    Man wisse noch nicht genau, was diese Strukturveränderungen wirklich bedeuten, sagt die 35-Jährige, aber offensichtlich können gestresste Menschen “durch Meditation ihr Gehirn regelrecht umtrainieren” und womöglich sogar ihre kognitiven Leistungen verbessern. Eine andere Untersuchung habe gezeigt, dass bei langjährigen Meditierenden die typisch altersbedingte Abnahme der frontalen Grosshirnrinde augeblieben sei.

     

    Die Kunst in jenem Nichts zu verweilen, “das zwischen zwei Gedanken liegt”, so ein bedeutender Yogi, hat demnach Wirkung. In den alten Schriften heisst sie “Pratyahara” oder Zurückziehen der Sinne. “Das Loslassen von Geschichten, die im Kopf kreisen”, nennt es Hölzel.

    Nach dem Stand der derzeitigen Forschungen kann diese Art von geistiger Versenkung die “Selbstregulationsfähigkeit” verbessern.

    Yoga und Meditation, das haben Dutzende Studien gezeigt, können “weiche” Faktoren wie Wohlgefühl, Lebensqualität und sogar das Mitgefühl steigern. Aber kognitive Leistungen? Und Yoga gar als Schutzwall gegen Demenz? Die Daten verdichten siche, sagt die Hirnforscherin. Aber es sei immer noch schwer, solche Veränderungen wirklich objektiv zu fassen. Eines werde schon jetzt immer klarer: Stress, der Fluch unserer Zeit, lasse sich durch nichts so gut besänftigen wie durch Meditation, Atemtechnik und Körperübungen.

     

    Quelle: GEO, Was Yoga kann, Juni 2013

     

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