YOGA IST ETWAS FÜR PRAKTISCHE MENSCHEN MIT PRAKTISCHEN PROBLEMEN

    Die Wissenschaft vom Yoga - Was einst als esoterischer Kult angesehen wurde, ist zur Weltbewegung geworden. Was ist dran am Yoga? Ist die östliche Körperpraxis mehr als Gymnastik und Weltanschauung? Lässt sich nachweisen, dass Yoga heilsame Wirkung entfalten kann? Neue Studien weisen in diese Richtung. Ein GEO-Team besuchte Forscher in den USA und einen weltbekannten Guru in Indien.


    Kann es sein, dass der alte Lehrer dieses Gefühl meinte, als er vom Körper als Tempel sprach? Diese Empfindung, die sich am Ende meiner Reise einstellt, einer Reise um die Erde in die Welt des Yoga, in Forschungsinstitute, Labors und die verborgenen Kammern des eigenen Körpers? Ein flüchtiges, aber alles durchdringende Wohlsein wiegt den Leib in Ruhe – sogar hier, im halbrunden lichtdurchfluteten Übungsraum der Shala im indischen Pune, wo von draussen Verkehrslärm ins Bewusstsein dröhnt. Die Yogaschule des 94-jährigen B.K.S Iyengar, der einer der letzten Grossmeister, Lehrer und Gurus ist, zählt zu den ältesten weltweit. In ihren Mauern lässt sich beinahe mit Händen greifen, was der hellwache Greis seit 70 Jahren behauptet: Yoga kann heilen.

     

    Als ausgebildeter Naturwissenschaftler mit einer tiefen Skepsis gegenüber Heilversprechen, die nicht der Prüfung messbarer Ursachen und Wirkungen genügen, gehen mir solche Worte nicht leicht über die Lippen. Um räucherstäbchenselige Sinnfindungsinstitute mache ich gerne einen grossen Bogen. Dass Entspannung und Wellness den meisten Menschen guttun, dass Sport eine Quelle von Kraft und Gesundheit ist, steht zwar ausser Frage. Aber was hat Guru-Gymnastik mit echtem Heilen zu tun, mit handfester Behandlung von Leiden?

    Die Antwort habe ich im nüchternen Ambiente anerkannter Experimentieranstalten gefunden; dort wo es um wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn geht.

     

    Ob in Berlin, Boston oder Bangalore, an der Harvard- oder Humbold-Universität: Angesichts zahlreicher positiver Fallberichte von Ärzten und Therapeuten überwinden Wissenschaftler ihre Berührungsängste und stellen die altindische Körperkunst auf den Prüfstand. Seit die Nationalen Gesundheitsinstitute der USA (NIH) vor einigen Jahren öffentliche Gelder für Yoga-Forschung genehmigten, haben sie eine regelrechte Lawine ausgelöst. Mittlerweile listet Pubmed, eine Datenbank der medizinischen Forschung, mehr als 2000 Veröffentlichungen zum Thema auf.

     

    Bergen “Sonnengruss”, Lotussitz und Om ein tieferes Geheimnis? Mehr als 20 Millionen Amerikaner und fünf Millionen Deutsche scheinen das zu glauben. Allein hierzulande verbreiten 20’000 Lehrer die uralte Body-Mind-Technik des indischen Subkontinents, die als “universelle Ikone der Gelassenheit” im Gegensatz zu anderen Sportarten angeblich “alle Kraft nach innen lenkt”. Was ist dran an der “Yogamania”? Ist sie mehr als nur eine weitere Mode- und Wohlstandserscheinung, Rettungsanker für überspannte Grossstädter und vor allem: ein Megageschäft? Wie steht diese Körper-Geist-Ertüchtigung da, wenn es jenseits esoterischer “Spiritualität” um messbaren Nutzen geht? Was kann Yoga?

     

    Die Antworten dazu im nächsten Blog.

     

    Quelle: GEO, Juni 2013

     

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